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Präsentieren, aber richtig

Vier Punkte, die in meinen Augen den Unterschied zwischen einer guten und einer richtig guten Präsentation ausmachen. (Und nein, das bin nicht ich auf dem Foto.)

Projekte präsentieren

Wir Projektarbeiter verbringen viel Zeit mit kommunizieren. Laut PMBOK Guide zwischen 75 und 90 Prozent. Die eine Hälfte davon ist (hoffentlich) aktives Zuhören. Die andere Hälfte dieser Zeit präsentieren, vortragen, referieren, erzählen wir anderen etwas. Wir transportieren also Informationen. Und da ist es in meinen Augen wahnsinnig wichtig, nicht nur irgendetwas irgendwie zu transportieren, sondern das Richtige richtig. Ich weiß, das hört sich gerade ziemlich platt an. Na no na ned, wie wir in Österreich sagen - natürlich ist das logisch, dass wir nicht irgendetwas irgendwie kommunizieren. Leider sehe ich allerdings genau das allzu häufig. Aber was macht denn eigentlich eine gute Präsentation aus? So richtig fundamental?

Natürlich hängt viel vom Rahmen meiner Präsentation ab. Ist er mehr formell oder eher informell? Sitzen meine Gäste vor mir oder vor einer Videokonferenzanlage? Muss ich der Geschäftsleitung ein kurzes Statusupdate halten, moderiere ich einen zweitägigen Scope-Workshop, oder halte ich eine Teambesprechung ab? Und noch viel mehr hängt vom kulturellen Umfeld ab. Präsentiere ich etwas meinem Team oder mir unbekannten Menschen am anderen Ende der Welt? Aber nach bald 20 Jahren, die ich Präsentationen halte und erlebe, haben sich für mich ein paar Elemente herauskristallisiert, die überall ihre Gültigkeit haben. Und wie so oft gilt auch hier: wenn ich die Basis aus dem ff beherrsche, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Und das Wesentliche,…

Trick 17

..das Wesentliche ist weniger die Art der Präsentation, sondern vielmehr der Inhalt. Und dennoch sehe ich regelmäßig Menschen auf einer Bühne stehen und fad ihr NLP-Hokuspokus abspulen. Trick 17 sozusagen. Wovon handelt der Vortrag? Vollkommen egal, Hauptsache es werden genug Taschenspielertricks verwendet, wie ich mein Publikum fesseln kann. Nur dem Publikum ist das nicht egal. Die wollen Inhalte transportiert bekommen.
Und damit meine ich auch nicht, es genügt, ein Fachtrottel - bitte meine Ausdrucksweise zu verzeihen, aber manche Dinge muss man beim Namen nennen, finde ich - zu sein und langweilig einen Sermon vor sich hin zu nuscheln. Es geht darum, relevante Inhalte zu kommunizieren. Und zwar nicht für mich relevant, sondern für mein Publikum. Die muss ich an ihrem Wissensstand abholen und dann emporheben.

Und bitte nicht falsch verstehen, damit meine ich nicht, dass das Handwerkliche egal sei. Phrasierung, Taktung, Bewegungsmuster, alles wichtige Dinge, keine Frage. Aber nicht, um Aufmerksamkeit zu heischen, sondern um meine Inhalte effektiv einer größeren Gruppe Menschen kommunizieren zu können. Da sind wir wieder beim Shuhari (und ja, ich weiß, Shuhari wird als Konzept - zu recht - sehr kritisch betrachtet; ich verwende es hier als Analogie).

Fähnlein Fieselschweif Zeltlager

Jetzt habe ich mit Donald Duck-Überschriften angefangen, jetzt komme ich nicht mehr davon los.
Egal, ob jemand zu den Personen gehört, die mit einem Stapel Moderationskarten zu einer Präsentation anrückt, oder - so wie ich, ich gebe es zu - zu denen, die Präsentationen am liebsten aus dem Stegreif halten. Auf jeden Fall steckt hinter guten Präsentationen vor allem eines: eine wahnsinnig intensive Vorbereitung. Da rede ich nicht von der Präsentation selber, sondern vom Thema. Wie will ich denn anderen etwas über ein Thema erzählen, wenn ich darin nicht sattelfest bin? In meinen Augen gar nicht. Da ist es schon notwendig, mehr zu wissen, als meine Zuhörerinnen und Zuhörer. Sonst ist so ein Vortrag für alle Beteiligten Zeitverschwendung.

Walk like a duck, quack like a duck

Walk like a duck, quack like a duck

Die nächste Entenüberschrift, es tut mir leid, ich kann nicht anders. Aber es passt auch einfach zu gut. Lasst uns die Bedeutung dieses Bonmots mal umdrehen: wenn ich wie eine Ente watschle, werde ich auch quaken wie eine. Das bedeutet, Ihr solltet, könnt, und müsst bei Euren Präsentationen und Moderationen auf eine ordentliche Körperhaltung achten. Warum. Zwei Gründe:

  • Wenn ich wie ein Sack Kartoffeln in der Gegend herumstehe, werde ich auf meine Zuhörerinnen und Zuhörer auch wirken wie ein Sack Kartoffeln, der in der Gegend herumsteht. Und wir kennen das alle von uns. So einem Sack Kartoffeln, der mir irgendetwas erzählt, bringe ich eine gewisse Portion Skepsis entgegen. Woher will der denn das alles wissen, von dem er behauptet, Experte zu sein? Also sollten wir diesen Bias für uns nutzen und schön gerade und aufrecht stehen. Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist. (Und Schultern runter.)
  • Ich weiß nicht, ob schonmal jemand einen Sack Kartoffeln sprechen gehört hat, ich auf jeden Fall nicht. Aber ich habe schon viele Menschen sprechen gehört, die eine Körperhaltung wie ein Sack Kartoffeln haben (und damit ist es jetzt genug mit Kartoffeln, versprochen!). Und die sprechen alle irgendwie gehetzt, als würden sie nicht genügend Luft bekommen. Tun sie ja auch nicht, wenn die Lungen nicht genug Platz bekommen. Also nochmal: Kopf raus, Schultern runter, Rücken aufrecht.

“Here’s looking at you, Kid!”

Und so schnell sind wir raus aus Entenhausen mit unseren Überschriften. Der letzte Punkt ist eine Erkenntnis. Wenn Ihr vor eine Gruppe von Menschen steht und referiert, sind das viele Gesichter. Also quasi eine 1 zu n-Beziehung. Aber dreht die Situation um. Wenn Ihr eine oder einer in dieser Gruppe seid, ist das zwar nach wie vor eine 1 zu n-Beziehung, aber für Euch fühlt es sich in dem Moment wie eine 1 zu 1-Beziehung an.

Gute Moderatorinnen, gute Präsentatoren schaffen es nun, jeder und jedem im Raum das Gefühl zu vermitteln, es würde sich um ein persönliches Gespräch handeln. Und damit meine ich nicht nur, allen der Reihe nach in die Augen zu blicken. Wie übrigens die deutsche Übersetzung obigen Filmzitates - “Sieh mir in die Augen, Kleines.” - lautet und womit wir wieder bei den billigen Tricks von ganz oben wären. Das In-die-Augen-blicken ist erst der Anfang. Fragt Euch in dem Moment, ob Ihr die Präsentation auch eins zu eins nur für diese eine Person machen könntet. Denn aus ihrer Warte passiert das in dem Moment gerade.

Also

Dafür, dass es nur so wenige Punkte sind, die den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Präsentation ausmachen, habe ich eh schon viel zu viel geschrieben. Deshalb hier die knackige Zusammenfassung:

  1. Inhalt, Inhalt, Inhalt - die sind nicht hier, weil Du so schön aussiehst und so tolle Redetricks beherrscht.
  2. Vorbereitung - Du fährst auch nicht zu den Olympischen Spielen, ohne trainiert zu haben.
  3. Körperhaltung - daraus folgt gute Atmung, daraus folgt angenehmes Sprechen und Lockerheit, daraus folgt eine gute Präsentation.
  4. Schaue einem Gast in die Augen und stelle Dir vor, ob Du die Präsentation auch eins zu eins nur für ihn machen könntest. Denn aus seiner Warte machst Du genau das.

Diese Punkte alleine machen noch keine gute Präsentation, schon klar. Aber für mich sind sie die Basis für eine. Denn ohne diese vier Punkte wird es auf jeden Fall keine gute Präsentation. Und von denen gibt es leider viel zu viele. Aber das ist ein anderes Thema.

Bilder von Campaign Creators und Joacim Bohlander auf Unsplash.

Gedanken über modernes Projektmanagement - klassisch, agil, hybrid. Stephan Weinhold ist auch auf LinkedIn und XING. Du solltest ihm außerdem auf Twitter folgen.